Brücke muss nur noch einschweben

Presse, 28.10.2014
Die 55 Tonnen schwere Brücke rollt aus der Halle. Draußen wird sie vorsichtig gedreht und mit Schienenstützpunkten ausgerüstet. Foto: Thomas Kube

Die 55 Tonnen schwere Brücke rollt aus der Halle. Draußen wird sie vorsichtig gedreht und mit Schienenstützpunkten ausgerüstet. Foto: Thomas Kube

Betonwerk Bad Lausick liefert besondere Bauwerke für die Deutsche Bahn nach Bayern

LVZ – Bad Lausick/Thierbach. Erneut macht sich heute Nachmittag ein Schwertransport von Thierbach aus auf den Weg nach Bayern. Geladen hat er eine 55 Tonnen schwere und 12,50 Meter lange Eisenbahnbrücke. Wie jene, die sich bereits am Wochenende auf die Reise machte, rollen demnächst die Züge der Hallertau-Bahn über sie. Beide Brücken – eine davon in Kurvenlage – sind Spezialanfertigungen, die das Betonwerk Bad Lausick in seinem Thierbacher Werk fertigt. Das Unternehmen erhofft sich weitere Aufträge dieser Art, denn die Deutsche Bahn AG muss in den nächsten Jahren Dutzende, ein Jahrhundert alte Stahlgitterbrücken im gesamten Bundesgebiet ersetzen.



„Da kommt nur noch das Gleis rein – fertig“, sagt Tino Kleinert, Betriebsleiter Sonderelemente des Bad Lausicker Betonwerkes. Vor der Fertigungshalle in Thierbach wurde der Brückenkörper gestern mit letzten Anbauten versehen: den sogenannten Schienenstützpunkten, die das Gleis aufnehmen, und der Brückenauflagerung, die das Bauwerk auf den Widerlagern hält. Die Montage der Brücke, die morgen früh beginnt, soll so lediglich Stundensache sein und die Sperrung der Bahnstrecke auf die allernötigste Zeit beschränken, anders als bei Technologien, nach denen eine neue Brücke neben der alten gefertigt und dann eingeschoben wird.

Bereits im Jahr 2011 lieferten die Bad Lausicker Betonwerker zwei Brücken an die Deutsche Bahn. Sie wurden im Saarland verbaut und gelten als Prototypen einer neuen Brückengeneration, die einen komfortableren und kostengünstigen Austausch von in die Jahre gekommenen Bahnbrücken ermöglichen soll. Ein Vorhaben, das durch die Universität Aachen wissenschaftlich begleitet wird. Auch die beiden jetzt gefertigten Bauwerke sind mit Messtechnik versehen, um das Verhalten der Brücke unter der Verkehrslast zu testen.

Foto:  Tino Kleinert

Foto: Tino Kleinert

„Für uns ist das ein schöner Auftrag, weil er etwas Besonderes ist“, sagt Kleinert. Und meint damit auch: etwas, das viele andere Betonwerke nicht leisten könnten. Denn verarbeitet werde ein hochfester Beton nach einem anspruchsvollen Verfahren. Sieben Tage ruhen die Brückensegmente, in die Stahlträger aus Salzgitter eingelassen sind, in der Produktionshalle, um auszuhärten. Am Freitag vergangener Woche wurden sie herausgerollt – und mussten, gehalten von zwei Kränen, in der Luft gedreht werden. Eine Herausforderung, bei der das Betonwerk auf Fachleute der Espenhainer Firma I&H Kran-Transport-Montage-Service GmbH zurückgreift, die ebenso eingespielt sind wie die Schwerlast-Spediteure des Erfurter Unternehmens Bohnet. Auftraggeber ist das Eschweger Unternehmen Beck-Bau, das für die DB Netz AG bundesweit bei der Streckensanierung im Einsatz ist.

Für die Sonderteile-Fertigung in Thierbach sichern die Brücken Arbeit auch über den Winter. Denn weitere Brücken und Brückenelemente sind bestellt, unter anderem zwei Dutzend Teile für Straßenüberführungen nördlich des Leipziger Hauptbahnhofs. Was einst mit Balkonen, Treppen und Stützen begann, hat sich längst zu einem anspruchsvollen Geschäftsfeld gemausert, das 15 Mitarbeitern Arbeit gibt, so Kleinert: „Denn wenn kein Schnee liegt, kann montiert werden.“ Zu den Aufträgen für den bevorstehenden Winter zählen auch Stürze für das im Wiederaufbau befindliche Berliner Stadtschloss, speziell geformte Betonteile, die später mit Sandstein verblendet werden.

Ein Bericht von Ekkehard Schulreich. Erschienen am 28.10.2014. © LVZ.

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